150-Jahr-Jubiläum
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24.04.2024
Fery Lipp/zVg

Zukunft mit Tradition

1874 begann die Geschichte von Geberit als Ein-Mann-Betrieb in Rapperswil. Gut 30 Jahre später entwickelte Firmengründer Albert Gebert einen mit Blei ausgekleideten Holzspülkasten. Mit der Erfindung des ersten Kunststoffspülkastens 1952 und des Unterputzspülkastens 1964 nahm die Erfolgsgeschichte ihren weiteren Lauf. Heute beschäftigt die Firma weltweit über 10 000 Mitarbeiter und betreibt 26 Produktionswerke.

Im Jahr 2024 blickt die Geberit-Gruppe auf 150 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Seit der Gründung 1874 in Rapperswil am Zürichsee zählt das Unternehmen zu den Pionieren der Sanitärbranche. «Unsere umfassenden Systemlösungen setzen immer wieder Standards, damals, heute und in Zukunft», sagt Christian Buhl, CEO von Geberit.

Begonnen hat die Firmengeschichte von Geberit im August 1874: In der lokalen Wochenzeitung empfiehlt sich Albert Gebert «einem verehrlichen Publikum in Stadt und Land für alle in seinem Beruf eingeschlagenen Arbeiten». Der 24-Jährige hat sich gerade selbständig gemacht und bietet Spenglerarbeiten, Blitzableiter und Rohrleitungsinstallationen an. Zusammen mit seiner Frau Josefina führt er daneben einen Haushaltswarenladen. Die beiden haben sechs Kinder, es überleben jedoch nur die zwei Söhne Albert und Leo.

 

Eigener Holzspülkasten 1905

Kurz vor 1900 kauft Albert Gebert am heutigen Engelplatz in Rapperswil eine Liegenschaft, baut sie um und tauft sie Phönix. Hier erfindet er 1905 den Holzspülkasten gleichen Namens. Das Haus beherbergt eine Werkstatt und einen Verkaufsladen. Es ist heute noch im Besitz der Familie. Ab 1900 beginnt Albert Gebert, eigene Sanitärapparate und Armaturen zu produzieren. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts fertigt das Unternehmen die Abläufe und Verbindungsstücke aus Metall. Arbeiter giessen Armaturen und Ablaufleitungen aus Blei und Messing in der Werkstatt und später in der eigenen Fabrik.

 

Zweite Generation übernimmt

Nach dem Tod von Albert Gebert 1909 übernimmt Sohn Albert Emil (1880–1969) den Betrieb. Mit seiner Frau Regina Gebert-Droeser (1893–1981) hat er sechs Kinder. Die beiden führen den Betrieb mit Bedacht durch Weltkriege und Wirtschaftskrisen.

1917–1921 baut Albert Emil Gebert in Rapperswil die erste Fabrik. Die Fabrik wird nach Plänen des Rapperswiler Architekturbüros Walcher & Abbühl gebaut. Sie verfügt über eine Metallgiesserei mit mehreren Öfen, eine Dreherei und Abteilungen für Bohr- und Verzinkarbeiten. Die Fabrikation von Armaturen entwickelt sich bis 1944 zu einer der wichtigsten Bestandteile der Produktion. Damals arbeiten zirka 80 Personen im Betrieb.

Die Abteilung für Spülapparatebau ist gemäss Firmenbroschüre die erste ihrer Art in der Schweiz. Sie bildet das Kernstück des Unternehmens. Die Produktionskapazität liegt 1944 bei 200 Spülkästen pro Tag.

 

Dritte Generation am Ruder

Nach dem Zweiten Weltkrieg profitiert Geberit vom europäischen Wirtschaftswunder. Mit Heinrich und Klaus Gebert übernimmt in den frühen 1950er-Jahren die dritte Generation der Familie das Ruder. Die Geberts erkennen früh das Potential von Kunststoffen und beschliessen, komplett vom Metallguss auf die Kunststoffverarbeitung umzusteigen. Erste Gehversuche mit den neuartigen Werkstoffen erfolgten bereits in den 1930er Jahren, als man Teile der Spülgarnituren aus PVC (Polyvinylchlorid) zu fertigen begann. 1952 kommt der erste Spülkasten aus Kunststoff, der auch in Deutschland auf grosses Interesse stösst, auf den Markt. Er bildet das Fundament, auf dem sich das Familienunternehmen zum führenden Sanitärtechnikkonzern Europas entwickelt.

Die Gründerfamilie: Albert Gebert mit seiner Frau Josefina und den beiden Söhnen Albert Emil (li.) und Leo, kurz nach 1892.

Die Gründerfamilie: Albert Gebert mit seiner Frau Josefina und den beiden Söhnen Albert Emil (li.) und Leo, kurz nach 1892.

Erste Fabrik in Rapperswil in den 1920er Jahren.

Erste Fabrik in Rapperswil in den 1920er Jahren.

Erster Unterputzspülkasten: Der erste Geberit-Unterputzspülkasten (UP 15.000) und die erste Geberit-Betätigungsplatte aus dem Jahr 1964.

Erster Unterputzspülkasten: Der erste Geberit-Unterputzspülkasten (UP 15.000) und die erste Geberit-Betätigungsplatte aus dem Jahr 1964.

Kundschaft im Fokus (1960er Jahre): Kundenschulungen fanden ab den 1950er Jahren statt. In den Kursen wurde beispielsweise die einfache Arbeitsweise mit PE-Fittingen demonstriert.

Kundschaft im Fokus (1960er Jahre): Kundenschulungen fanden ab den 1950er Jahren statt. In den Kursen wurde beispielsweise die einfache Arbeitsweise mit PE-Fittingen demonstriert.

Erste Dusch-WC-Modelle: Geberit führte 1978 einen Aufsatz zum Nachrüsten mit dem Namen Geberella ein (Bild). Sowohl der Aufsatz als auch die Dusch-WC-Komplettanlage Geberit-o-mat ab 1979 verfügten über eine Warmwasserdusche.

Erste Dusch-WC-Modelle: Geberit führte 1978 einen Aufsatz zum Nachrüsten mit dem Namen Geberella ein (Bild). Sowohl der Aufsatz als auch die Dusch-WC-Komplettanlage Geberit-o-mat ab 1979 verfügten über eine Warmwasserdusche.

Alle AquaClean-Dusch-WCs werden am Geberit-Hauptsitz in der Schweiz montiert (Bild: AquaClean Mera).

Alle AquaClean-Dusch-WCs werden am Geberit-Hauptsitz in der Schweiz montiert (Bild: AquaClean Mera).

PVC-Spülkasten sind ein Erfolg

Der PVC-Spülkasten ist ein sofortiger Erfolg. Gegenüber den damals dominierenden Spülkästen aus Keramik bieten die Kunststoffspülkästen deutliche Vorteile: bessere Spülwirkung, einfachere Montage, geringere Anfälligkeit für Kalkablagerungen sowie tieferer Preis. Bald schon übersteigen die Bestellmengen die Produktionskapazität.

Nach dem Erfolg in der Schweiz wollen die Geberts den deutschen Markt erschliessen. 1955 gründet Geberit eine Tochtergesellschaft im süddeutschen Pfullendorf, eine Produktionsstätte wird gebaut. 1956 nimmt die Produktion den Betrieb auf.

Die Nachfrage ist hoch, und das Unternehmen expandiert schnell. Bereits nach zehn Jahren ist der Bau eines grösseren Werks angezeigt. In einem nahgelegenen Industriegebiet starten 1965 die Bauarbeiten. Zwei Jahre später laufen die Maschinen auf Hochtouren (heute ist Pfullendorf mit nahezu 1500 Mitarbeitern der grösste Standort der Geberit-Gruppe).

1964 brilliert Geberit mit dem ersten PVC-Spülkasten für den Einbau in die Wand. Unterputzspülkästen werden heute standardmässig in privaten Bädern und öffentlichen Sanitärräumen eingebaut.

 

Neue Fabrik in Jona

1959 platzt auch das Werk in Rapperswil aus allen Nähten. 1961 beginnt daher der Bau einer neuen Fabrik in der benachbarten Gemeinde Jona. 1962 werden die ersten Maschinen aufgestellt und die Produktion gestartet. Im September 1965 feiert man die Betriebseinweihung. Geberit entwickelt sich danach rasch zum grössten Arbeitgeber der Region Rapperswil-Jona.

 

Wasser in Rohren

Ab 1956 beginnt Geberit, Siphons, Abläufe und Formstücke für die Gebäudeentwässerung aus Kunststoff zu produzieren. Die Ablaufgarnitur für Badewannen aus Polyethylen (PE) markiert 1956 den Umstieg. Sie wird in der Schweiz rasch zum Kassenschlager. Wie bei der Verarbeitung von PVC nimmt Geberit eine Vorreiterrolle ein.

1966 wird das PE-Sortiment auf die gesamte Hausentwässerung ausgeweitet. Fortan sind auch Formstücke und meterlange Rohre für Abwasserleitungen in Gebäuden im Angebot. Formstücke (Fittings) werden in Jona, Pfullendorf und später auch im österreichischen Pottenbrunn produziert. Die Rohre kauft man lange von externen Anbietern zu. Bis 1980 verdrängt PE in vielen Ländern die traditionellen Werkstoffe für Abwasserleitungen.

Mit Rohrleitungssystemen für die Trinkwasserversorgung kann Geberit immer wieder innovative Akzente setzen. Das erste System heisst Mepla – kurz für Metall-Plastik. Es wird ursprünglich in der Westschweiz von der Firma Fluid Air Elements (FAE) in den frühen 1980er Jahren entwickelt. Die Leitungen bestehen aus Verbundrohren - eine in der Sanitärbranche damals junge Technologie, bei der verschiedene Schichten aus Metall und Kunststoff kombiniert werden. Die Fittings sind aus Metall und werden mit den Rohren verschraubt. 1989 beteiligt sich Geberit am Unternehmen und entwickelt das System weiter. 1991 werden als Weltneuheit die ersten Pressfittings für Verbundrohre lanciert. Mitte der 1990er Jahre folgt der Wechsel auf Kunststofffittings (2004 übernimmt Geberit die FAE komplett).

2004 wird das im deutschen Rheinland ansässige Unternehmen Mapress übernommen, ein Hersteller von Versorgungssystemen aus Metall. Mit der Akquisition eröffnen sich neue Märkte, nicht zuletzt für industrielle Anwendungen. Haupteinsatzgebiet der Mapress-Systeme sind Trinkwasser- und Heizungsleitungen, aber die Rohre und Pressfittings können auch für Heizöl-, Dampf-, Druckluft- und diverse Gasanwendungen eingesetzt werden. Heute wird bei Geberit rund ein Drittel des Umsatzes mit Rohrleitungssystemen erwirtschaftet.

 

Ins neue Jahrtausend

1991 übernimmt mit Günter F. Kelm, der Klaus Gebert (1926–1998) ablöst, erstmals ein Manager von ausserhalb der Familie den Vorsitz der Gruppengeschäftsleitung. Sechs Jahre später beschliessen die Familienaktionäre, das Unternehmen an Finanzinvestoren zu verkaufen, da sich kein Mitglied der Familie für eine Nachfolge an der Unternehmensspitze findet.

Das Unternehmen ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts in hervorragender Verfassung: Der Umsatz in Schweizer Franken übersteigt im Geschäftsjahr 1998 erstmals die Milliardengrenze. Im Juni 1999 erfolgt der Gang an die Schweizer Börse. Mehr als 2000 Mitarbeiter beteiligen sich dabei am Unternehmen und kaufen Aktien.

2002 wird durch die Akquisition des Armaturenherstellers Chicago Faucets die Präsenz in den USA gestärkt. Mit der Gründung der Geberit International Sales AG (GISA) kann 2005 die schrittweise Expansion in aussereuropäische Märkte gezielter unterstützt werden.

 

Expansion ausserhalb Europas

Bis zum Millenniumswechsel erschliesst Geberit die meisten europäischen Märkte mit eigenen Vertriebsgesellschaften. Bereits ab den 1990er Jahren beginnt man, den Blick auch auf andere Weltregionen zu richten. Der Fokus liegt dabei auf den vielversprechendsten Märkten wie China, der Golfregion, Australien, Südafrika, Südostasien und Indien. In all diesen Märkten ist Geberit vornehmlich im Geschäft mit grösseren und hochwertigen Bauprojekten tätig, im sogenannten Projektgeschäft.

 

Einstieg ins Keramikgeschäft

Anfang 2015 übernimmt Geberit die in Finnland ansässige Sanitec-Gruppe mit rund 6200 Mitarbeitern. In 10 Keramikwerken in Europa werden heute jedes Jahr mehrere Millionen WCs, Bidets, Waschtische und Urinale hergestellt. Zwischen 2019 bis Ende 2023 werden die Marken Keramag, Allia, Sphinx, Pozzi-Ginori und teilweise Ko?o durch die Marke Geberit ersetzt und das Produktportfolio verschlankt. Die Integration von Sanitec findet ihren vorläufigen Höhepunkt in der Einführung von Geberit One im Jahr 2019. In dieser Badezimmerserie soll sich die neue Geschäftsstrategie manifestieren: Sanitärtechnik vereint mit praktischen, formschönen Produkten.

 

Bedeutendstes Entwicklungsprojekt von Geberit

2021 wird Geberit FlowFit lanciert, ein Versorgungsystem mit Verbundrohren. Es ist das finanziell bedeutendste Entwicklungsprojekt in der Geschichte des Unternehmens. Die Rohrleitungen mit den neuartigen Pressverbindungen sollen neue Standards hinsichtlich der Installationsfreundlichkeit setzen, aber auch bezüglich der Durchflusseigenschaften. Bei der Markteinführung übertreffen die Verkäufe die kühnsten Prognosen des Unternehmens.

 

«150 Jahre Innovationskraft: Gutes noch besser machen»

«Installateure, Grosshändler, Bauherren wie auch Endkunden vertrauen seit 150 Jahren auf die Innovationskraft des Unternehmens», sagt denn auch Christian Buhl. «Gutes noch besser zu machen, ist unser Credo seit dem ersten Tag. Dabei stellen wir stets unsere Kundschaft in den Mittelpunkt.» Als schönes Beispiel für diese Innovationskraft gilt der Geberit-Unterputzspülkasten, der 1964 auf den Markt kam. Heute sind Geberit-Unterputz-Spülkästen und die blauen Duofix-Installationsrahmen tonangebend in der Sanitärbranche.

 


Über Geberit

Die weltweit tätige Geberit-Gruppe ist europäischer Marktführer für Sanitärprodukte. Geberit verfügt in den meisten Ländern Europas über eine starke lokale Präsenz und ist dadurch sowohl auf dem Gebiet der Sanitärtechnik als auch im Bereich der Badezimmerkeramiken präsent. Die Fertigungskapazitäten umfassen 26 Produktionswerke, davon 4 in Übersee. Der Konzernhauptsitz befindet sich in Rapperswil-Jona. Mit rund 11 000 Mitarbeitern in rund 50 Ländern erzielte Geberit 2023 einen Nettoumsatz von 3,1 Milliarden Franken. Die Geberit-Aktien sind an der SIX Swiss Exchange kotiert und seit 2012 Bestandteil des SMI (Swiss Market Index).


 

www.geberit.ch


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